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Menschlich sein

Ich habe diesen Monat mehrmals damit angefangen, diesen Newsletter zu schreiben. Aber mir fehlten der Schwung, die Inspiration und die Worte dazu. Der August war ganz ehrlich gesagt eine emotionale Achterbahn mit Höhen und vielen Tiefen.

Dann las ich ein Zitat, das ging in etwa so: “Man muss nicht ständig positiv sein. Es ist völlig in Ordnung auch mal Angst zu haben oder traurig, wütend, verärgert oder frustriert zu sein. Gefühle zu haben macht dich nicht zu einem "negativen Menschen". Es macht dich menschlich.

Das war der Schubs den ich brauchte, um meine Gefühle zu akzeptieren, zu sortieren und dann auch wieder loszulassen. Jeden Tag treffen wir die bewusste Entscheidung, glücklich und dankbar zu sein, dass wir hier sein können, wo wir gebraucht werden. Eure Unterstützung gibt uns zudem die nötige Kraft, jeden Morgen mit erhobenem Haupt auf der Matte zu erscheinen, dem Team Mut und Hoffnung zu geben und sie positiv und mit dem ganzen Herzen durch das Ungewisse zu navigieren. 

In diesem Sinne wünschen wir euch, dass ihr die Tage zufrieden, positiv, stark und beherzt antreten könnt - euch aber auch die Erlaubnis gebt, menschlich zu sein. 


Das kann einfach nicht oft genug gesagt werden

Wir können gar nicht oft genug unseren Dank an euch alle aussprechen! Ihr, die uns soweit geholfen und uns so weit durch diese Krise gebracht habt. Unser Dank an euch ist heute noch genau so ehrlich und aus tiefstem Herzen, wie seit eh und je. Und es ist dieses Gefühl der Dankbarkeit das uns jeden Tag stärkt. 

Heute zählen wir nach wie vor auf eure Unterstützung, damit wir weiterhin den Menschen helfen können, die es nötiger haben denn je. 


Aktuell in Kambodscha 

Seit unserem letzten Newsletter hat sich in Bezug auf die Covid-Fälle im Land und in Bezug auf die nicht mehr existierende Tourismusindustrie nicht viel geändert.

Die einzigen positiven Fälle, die wir hier haben, sind importierte Fälle. Verständlicherweise wurden daher die Einreisebedingungen verschärft, und die Flüge ins Land ändern sich ständig.

Siem Reap wird also vorerst weiterhin unsere kleine Geisterstadt bleiben...

...mit einer Ausnahme: Khmer New Year
Im April hatte die Regierung wegen Covid-19 das Khmer Neujahr gestrichen. Jetzt im August hielt sie ihr Versprechen, die Feiertage nachzuholen. Fünf Tage lang wurde das "stellvertretende Khmer Neujahr" gefeiert. Eine Zeit, in der der lokale Tourismus in Aufschwung geriet und viele Menschen aus der Hauptstadt und anderen Teilen des Landes nach Siem Reap reisten.

Wir waren nicht die einzigen, die darauf hofften, dass diese Woche etwas Einkommen generieren würde. Berichten zufolge haben 450 Betriebe einzig für diese eine Woche wiedereröffnet. Der Ansturm war nicht so gross, wie die meisten gehofft hatten, aber es war schön zumindest jeden Tag ein paar Gäste begrüssen und verwöhnen zu dürfen.

Diese Khmer Neujahrs Woche hat auf jeden Fall ferne Erinnerungen an ein lebhaftes Siem Reap zurückgebracht. Unsere kleine Tempelstadt war wieder zum Leben erwacht, und es lag eine Energie in der Luft, die grosse Glücksgefühle in uns allen auslöste. 

Ein fröhliches Ersatz-Khmer-Neujahr 2020 in Siem Reap
©សហភាពសហព័ន្ធយុវជនកម្ពុជា ខេត្តសៀមរាប – Unions of Youth Federations of Cambodia (UYFC)

Kambodschanische Widerstandsfähigkeit
 
Es ist kein Geheimnis, dass der Rückgang des Tourismus schwere Auswirkungen für viele Menschen weltweit hat. Auch hier in Siem Reap haben zu viele Leute ihre Arbeit und damit ihre gesamte Lebensgrundlage verloren. Aber Kambodschaner wären keine Kambodschaner, wenn sie ihre Widerstandsfähigkeit nicht hätten. Eine Eigenschaft, die ich zutiefst bewundere.

Abgesehen von dem üblichen Smalltalk darüber, "wie schwierig es im Moment ist, aber dass es ja allen gleich geht", gibt es kein Klagen. Stattdessen finden die Khmer andere Wege, sich durch die Krise zu manövrieren.  

Egal, ob sie vor Covid-19 ein Receptionist bei einem 5-Sterne Hotel waren, der Country Manager von einer Travel Agency, ein Künstler in einem Artisans Workshop oder ein Tour Guide oder Tuk-tuk Fahrer bei den Tempeln, ... sie tun, was getan werden muss, um zumindest die Grundbedürfnisse ihrer Familien zu decken.

So sind viele zurück aufs Land und arbeiten auf Reisfeldern (das sieht schön aus auf Fotos, ist aber eine Knochenarbeit!) oder sammeln Schnecken, kleine Krebse und kleine Fische, die sie essen können. Wenn sie selber etwas Land besitzen, bauen sie ihr eigenes Gemüse an und verkaufen es vor ihrer Hütte. Andere, die in der Stadt geblieben sind, stellen am Strassenrand einen kleinen Stand auf und verkaufen dampfende Nudeln, Waffeln, Rohrzuckersaft oder kalte Getränke aus orangen Kühlboxen.

An manchen Tagen verdienen sie damit 1 bis 3 US Dollar. An anderen Tagen gar nichts. Selbst wenn sie sieben Tage die Woche arbeiten, kommen sie kaum über die Runden. Aber es ist Arbeit und es ist Hoffnung. Und das reicht diesen erstaunlich bescheidenen und starken Menschen bereits, um weiter zu machen und jeden Tag so zu nehmen, wie er kommt.

Strassenstände sind nichts neues in Kambodscha, aber es gibt inzwischen deutlich mehr davon 


Betroffenen eine Stimme geben
Einer unserer ersten Service-Lehrlinge (Ausbildungsjahr 2012/13) hat nach seinen Abschluss einen spannenden und selbstbewussten Lebenslauf angetreten. Heute ist er Berufsfotograf und hatte auch schon die eine oder andere Ausstellung. (Natürlich hängen einige seiner Werke auch an unseren Wänden).

Wenn Roun ab und an zum Angkor Archäologischer Park raus fährt, interviewt er dort Menschen, die in irgendeiner Form von den Tempeln leben (als Strassenverkäufer, Ticket-Kontrolleure usw.).
Ich finde das ist eine grossartige Gelegenheit, den Menschen hier eine Stimme zu geben. Deshalb möchte ich heute dieses Interview mit euch teilen.

(Ihr könnt mehr von Roun's Arbeit sehen auf seiner Facebook Page hier: RounPhotos)



Bayon Tempel, Angkor Thom ©RY Roun

Was passiert im HAVEN

Während die Tage immer ruhiger werden (wer hätte gedacht, dass das überhaupt möglich ist...), suchen wir laufend nach neuen Wegen unsere Kosten zu senken.

Lehrlingshaus
Eine dieser Massnahmen war der Umzug in ein neues Lehrlingshaus. Die Bedingung für den Wechsel war, dass die neue Miete deutlich tiefer ist, dass es mindestens gleich gross ist, in der gleichen Gegend liegt und dass es Einzugsbereit ist ohne dass wir etwas umbauen und investieren müssen. 

Die Götter meinten es gut mit uns und wir haben innerhalb von 2 Wochen ein Haus gefunden, den Vertrag unterzeichnet, das Haus von Mönchen einweihen und segnen lassen und danach gleich bezogen. 

Housemum und die Lehrlinge sind überglücklich mit ihrem neuen Zuhause. Alleine schon wegen ihren strahlenden Gesichtern hat sich der Wechsel gelohnt.

Das neue Lehrlingshaus, mit gedecktem Aussenbereich (darüber haben sich alle am meisten gefreut), hellen Zimmern und offenen Gemeinschaftsräumen


Fünf Mönche von der Wat Damnak Pagoda sind gekommen, um das neue Haus einzuweihen. Eine traditionelle Zeremonie, die Glück bringen soll und allfällige böse Geister vertreibt. 

Training Days
Eine weitere Sparmassnahme die wir treffen mussten ist, dass wir seit Juli nur noch 4 Tage die Woche offen sind (Donnerstag bis Sonntag), weil es uns mehr kostet offen zu sein, als geschlossen zu bleiben. Wir wollen aber auf jeden Fall offen bleiben, denn nur so können wir uns um unsere HAVEN Familie kümmern und die Ausbildung weiter führen. Zudem bleiben wir so auch geschäftlich ‘im Spiel’ und können wenigstens ein paar Gäste bewirten.

Montag bis Mittwoch sind wir geschlossen, wobei der Mittwoch unser Special Training Day ist. Damit holen wir die Training Weeks für unsere Lehrlinge nach, die normalerweise in Mai stattfinden. 

Bei den Training Days bekommen die Lehrlinge ihren Feinschliff im praktischen Teil. In Gruppen kochen sie vorgegebene Gerichte, die dann miteinander verglichen, bewertet und besprochen werden. Später wird dann noch die Theorie vertieft.

Nebst den Training Days hat Paul mit Chef Pardet extra Koch-Challenges für die Lehrlinge kreiert, die sie abwechselnd während den normalen Arbeitstagen erfüllen. Damit können wir den praktischen Teil der Ausbildung trotz den wenigen Gästen aufrecht erhalten.


Lehrabschluss
Während ich diese Zeilen schreibe, blinkt bei mir die Kalender-Erinnerung auf, dass heute Lehrabschluss ist. Ja, in den vergangenen Jahren war immer der letzte Samstag im August die Graduation der Lehrlinge. Dieses Jahr ist es aber ein normaler Arbeitstag.

Als wir im Juni wieder eröffnet haben, hatten wir bereits mit allen besprochen, dass wir das Lehrjahr verlängern werden. So lange, bis es wieder Arbeitsplätze gibt, in denen wir unsere Absolventen unterbringen können.

Wir konnten es heute aber trotzdem nicht ganz sein lassen und feierten unsere Lehrlinge dafür, dass sie ihre Ausbildung trotz allen Umständen so weit durchgezogen haben.

Congratulations! You made it this far!


Mehr denn je: Wir brauchen deine Hilfe!

Noch vor 6 Monaten hatten wir ehrlich geglaubt, dass der ganze Spuk bis im Sommer vorbei sein wird. Aber inzwischen müssen wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass wir einen noch viel längeren Schnauf haben müssen, bevor wir auf der anderen Seite raus kommen.

Wenn dir etwas an unserer Arbeit und den Menschen hier in Kambodscha liegt, du die Ausbildung von unseren Lehrlingen und die Arbeitsplätze unserer HAVEN Familie sichern willst und kannst, zieh bitte eine Spende in Betracht, um HAVEN in dieser Zeit zu unterstützen. Jeder Betrag zählt!

Wir wissen, dass es für niemanden einfach ist momentan und sind dir drum umso mehr für immer unendlich dankbar für deine grosszügige Unterstützung in diesen schwierigen Zeiten. 
Hier geht's direkt zu unserer Spenden Seite auf Dragonfly, wo diverse Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, ganz einfach und sicher von zu Hause.

Danke für deine Hilfe, dein Vertrauen und deine Treue.
Bleib glücklich und gesund. Die Welt braucht dich!


"Nichts böses sagen. Nichts böses sehen. Nichts böses hören." Täglich arbeiten wir daran, unsere HAVEN Familie und die Gemeinde sicher durch diese Krise zu manövrieren. Mit viel Liebe, Geduld und Vertrauen. Danke für deine Hilfe dabei!

Wenn Sie diese E-Mail (an: info@bailando-reisen.de) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier kostenlos abbestellen.

 

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